Heteronormativität

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Heteronormativität (manchmal auch Zwangsheterosexualität) ist ein Begriff aus der Queer-Theorie und innerhalb des Queer-Feminismus weit verbreitet. Er kann darin als ein Analogon zum Begriff Patriarchat im Sinne des Feminismus der zweiten Welle verstanden werden und bezieht sich in diesem Rahmen ähnlich wie dieser Begriff nicht nur auf reale Gesellschaftsstrukturen sondern versucht im Sinne einer unspezifischen Theorie eine Vielzahl gesellschaftlicher Phänomene auf eine (vermeintliche) gemeinsame ideologische Grundlage als erklärenden Auslöser zurückzuführen. Während der Begriff des Patriarchats (im feministischen Sprachgebrauch) impliziert, Diskriminierung und Sexismus (und/oder viele weitere Probleme in der Welt) wären das Resultat einer durch "die Männer" geprägten bzw. kontrollierten Gesellschaft, so wird durch den Begriff der Heteronormativität die Verantwortung dafür "den Heterosexuellen" bzw. einer von der heterosexuellen "Herrschaft" geprägten Gesellschaft zugeschrieben.

Die Gesellschaft versucht gemäß dieser Theorie ihren Mitgliedern die sexuelle Orientierung der Heterosexualität quasi durch einen Normierungsprozess aufzuzwingen und jede Abweichung von einer wie auch immer gearteten "Normheterosexualität" wird demnach sanktioniert. Die Diskriminierung von sogenannten sexuellen Minderheiten wird im Sinne des Begriffs der Heteronormativität somit als eine direkte Folge der von Heterosexuellen geprägten gesellschaftlichen Strukturen angesehen.

Problematisch ist diese Perspektive (die gerade im akademischen Umfeld vor allem von weiblichen Homosexuellen und Bisexuellen sowie von männlichen Transgendern vertreten wird) insofern als dabei der Umstand ignoriert wird, dass die Heterosexuellen nicht etwa deswegen in der Mehrheit sind, weil die Gesellschaft auf Heterosexualität hin ausgerichtet ist, sondern genau umgekehrt die Ausrichtung der Gesellschaft auf die Heterosexuellen hin (und daraus folgend auch die implizite Grundannahme, dass Menschen heterosexuell sind) eine logische Konsequenz des Umstand ist, dass Heterosexuelle bei weitem die größte Gruppe darstellen. Dadurch werden Heterosexuelle auch im wirtschaftlichen und kulturellen Sinne zur primären Zielgruppe, was wiederum keineswegs nur vorteilhaft ist, da beispielsweise durch die mediale Präsenz sexueller Darstellungen ein falsches Bild von Heterosexualität vermittelt wird.

Da Heterosexuelle durch den Begriff der Heteronormativität abgewertet werden bzw. real existenter Sexismus und Diskriminierung darüber in problematischer (und unzulässiger) Weise in Bezug zur sexuellen Orientierung jedes Einzelnen gesetzt werden (und der Begriff daher meist als ideologisch stark aufgeladener "Kampfbegriff" innerhalb des Queer-Feminismus fungiert) sollte auf dessen Verwendung wenn möglich verzichtet werden. Statt von Heteronormativität zu sprechen, wäre es angemessener von Heteronormalität zu sprechen.

Siehe auch