Transgender

Aus Asex-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Transgender kam Mitte der neunziger Jahre auf, um Leute, die das Geschlecht wechseln wollen, indem sie ihre Körper verändern (transsexuell), von denjenigen zu unterscheiden, die durch ihre Kleidung, ihr Verhalten und ihre Partnersuche lediglich die Geschlechternormen überschreiten (transgender).

Riki Wilchins schreibt in ihrem Buch "Gender Theory - Eine Einführung" (englisch Queer Theory/Gender Theory) von 2004 auf Seite 41:

Es gibt (meiner eigenen vereinfachten Binarität zufolge) jedoch eine starke und eine schwache Version [...].

Gemäß der starken Version ist praktisch jede/r eingeschlossen, weil ja fast jede Person irgendwann in ihrem Leben gegen enge Geschlechterrollen verstößt. Der schwachen Version zufolge umschließt Transgender nicht nur Transsexuelle und Crossdresser, sondern auch Butches / Femmes, "aggressive" Frauen, Drag Queens und Drag Kings, feminine Schwule, Intersexuelle und so fort. Dahinter steht die Idee, dass alle Menschen, die sichtbar queer sind, mit alltäglichen politischen Problemen konfrontiert und somit Verbündete sind. Dagegen gibt es viele Einwände. Zum einen nehmen sich Untergruppen wie Drag Queens, Drag Kings, feminine schwule Männer und Mannweiber selbst nicht als politische Minderheiten wahr. Sie sind meist schlecht organisiert und politisch unterrepräsentiert. Zweitens schämen sich viele Menschen noch immer, Gender-Grenzen zu überschreiten und betrachten das nicht als etwas, auf das sie Anspruch erheben sollen, insbesondere nicht als Basis ihrer Identität. [...]
Es ist schwer, Leute für eine Sache zu gewinnen, wenn sie sich schämen, damit in Verbindung gebracht zu werden. Offensichtlich verstehen die meisten Leute das Recht auf Äußerung der Geschlechtsidentität immer noch nicht als legitimes Bürgerrecht wie sexuelle Orientierung, Herkunft oder Sex.

Entwicklung des Begriffs in jüngerer Zeit

Wie in obigem Zitat schon angedeutet wird, wurde der Begriff Transgender in den letzten Jahren, insbesondere durch die Koppelung mit dem aus dem Queer-Feminismus übernommenen Begriff der "Nicht-binären Gender" bzw. der Gleichsetzung mit dem Ausdruck genderqueer, zunehmend zu einem unspezifischem aber weitläufig verwendetem Community-Begriff. Im Kontext des Trans-Aktivismus wurde ausgehend davon versucht auch das Phänomen der Transsexualität lediglich als einen Teil der Transgender-Bewegung zu deuten, so dass keinerlei Differenzierung im Hinblick auf die Motivation für die Überschreitung von Geschlechtsnormen mehr erfolgt.

In jüngerer Zeit bezeichnen sich daher auch Menschen als Transgender, die sich nur theoretisch mit dem Thema identifizieren (oder auch lediglich provozieren) wollen bzw. die eine Art "Rollenspiel" praktizieren um (ähnlich wie z.B. Punks oder Rocker) ein allgemeines Gefühl von Gemeinsamkeit und/oder bestimmte gesellschaftspolitische Einstellungen (ggf. unter der Zuhilfenahme impliziter "Dresscodes") zu transportieren. Teilweise wird darüber auch lediglich ein Fetischismus ausgelebt. Besonders abstruse Stilblüten treibt der Begriff allerdings in einigen sozialen Netzwerken, in denen Pubertäre ihrer Fantasie freien lauf lassen. So wurden unter anderem "Neurogender" also Geschlechtsidentitäten, die die Symptome psychischer Störungen darstellen sollen, erfunden. Zur Beschreibung dieser virtuellen Phänomene hat sich auch der Begriff der "Tumblr-Gender" und des "Tumblr-Feminismus" eingebürgert und satirische Reaktionen darauf (z.B. "Attack Helicopter" als Gender) finden sich ebenfalls in den üblichen sozialen Medien.

Die aus dieser Entwicklung resultierende Beliebigkeit findet leider auch zunehmend Anklang in der Rechtsprechung sowie in der Formulierung medizinischer und psychologischer Diagnosen. Im Rahmen des Transgender-Lobbyismus wird versucht die Anteile des Phänomens, die in einer problematischen psychischen Entwicklung (z.B. als Folge von Missbrauchserfahrungen oder von Manipulation durch das soziale Umfeld) begründet liegen zu verschleiern und/oder den Leidensdruck von Transsexuellen zu verleugnen, indem jedwede Einordnung bestimmter "Transgenderphänomene" in den Bereich psychischer Störungen pauschal als Diskriminierung verunglimpft wird, selbst dann wenn Ich-Dystonie vorliegt.

Siehe auch