Queer-Feminismus

Aus Asex-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Queer-Feminismus (auch Queerfeminismus bzw. Querfeminismus oder Quer-Feminismus), der manchmal auch als dritte Welle des Feminismus bezeichnet wird, ist eine seit den 1990er Jahren aufkommende Variante des Feminismus, bei der im Gegensatz zur Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie der zweiten Welle des Feminismus (etwa seit den 1960er Jahren mit einer Blütezeit in den 1970er Jahren), sowie konträr zur eigentlichen Bedeutung des Begriffs Feminismus, nicht mehr nur die Frauen sondern alle sogenannten "sexuellen Minderheiten" im Fokus der Betrachtung stehen. Daher wird für den Queer-Feminismus teilweise auch die Bezeichnung Post-Feminismus verwendet. Gelegentlich werden sogar alle Minderheiten bzw. (vermeintlich oder tatsächlich) benachteiligte Gruppen, wie z.B. Schwarze oder auch lediglich dicke Menschen, zum Betrachtungsgegenstand.

Im Queer-Feminismus wird vor allem in jüngerer Zeit allerdings ein besonders starker Fokus auf Menschen, die Probleme im Bereich der Geschlechtsidentität haben, gelegt. Vor allem in den USA besteht daher eine enge Verknüpfung mit dem Trans-Aktivismus. Ausgehend von der Queer-Theorie, als deren prominentester Vertreter häufig Judith Butler angesehen wird, wird im Queer-Feminismus meist eine "Dekonstruktion" oder sogar "Auflösung" der sexuellen Orientierung bzw. der Geschlechtlichkeit selbst als ein Ideal angesehen. Daher kann der Queer-Feminismus insbesondere für Transgender und Bisexuelle bzw. Pansexuelle aber auch für aromantische oder panromantische Asexuelle attraktiv sein.

Generell besteht eine starke Tendenz von Queer-Feministen für alle oben genannten und viele weitere Gruppen zu sprechen bzw. sprechen zu wollen, was häufig in vereinnahmender Weise stattfindet. Diese Vereinnahmung geschieht oftmals ohne die eigene Zugehörigkeit zur jeweiligen Gruppe und/oder entgegen des ausdrücklichen Wunsches anderer weniger radikaler oder politisch anders eingestellter Vertreter dieser Gruppen. Diese Strategie kann als der Versuch angesehen werden den Queer-Feminismus als solchen und/oder einen konkreten Vertreter des selbigen als moralische Instanz in Diskriminierungsfragen zu präsentieren und darüber die Meinungshoheit in Diskussionen und Entscheidungsgremien zu gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen an sich zu ziehen.

Der Queer-Feminismus ist über die Queer-Theorie eng mit dem Gender Begriff verbunden. An Universitäten verbreitet er sich über die Gender Studies und verdrängt dabei zunehmend die klassische feministische "Frauenforschung", die in der zweiten Welle des Feminismus verwurzelt ist, was auch von Vertretern der zweiten Welle (wie z.B. Alice Schwarzer) kritisch gesehen wird. Eine typische im (vorgeblich) wissenschaftlichen Bereich verbreitete Vorgehensweise von Queer-Feministen ist der Versuch Aufmerksamkeit im Hinblick auf ihre Existenz oder Ansichten über die Beeinflussung insbesondere der schriftlichen Alltagssprache zu generieren. Dies geschieht etwa durch das Einfügen von Gendersternchen oder der Gendergap in Texte sowie durch die Entwicklung (vorgeblich) "geschlechtsneutraler" Fantasiepronomen.

Auch der häufig Einsatz von (zumeist unpassenden) Verlaufsformen, der sich besonders eindrücklich in der allgemeinen Umbenennung der Studentenwerke in "Studierendenwerke" und der Studenten selbst in "Studierende" zeigt (und der zunehmend auf weitere Begriffe ausgedehnt wird), kann im sprachlichen Bereich als eine Art "Vorzeigeprojekt" oder Testballon angesehen werden um die Akzeptanz von Sprachmanipulationen in der Gesellschaft zu ermitteln.

Angeblich sollen hierüber real existente Diskriminierungen oder Sexismus abgebaut werden, obwohl es keinerlei wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit in dieser Richtung gibt. Vielmehr ist durch das provokative Verhalten ein gegenteiliger Effekt zu erwarten. Zusätzlich sollen durch diese Maßnahmen auch andere "Geschlechter" sichtbar gemacht werden. Wie dies möglich sein soll ist völlig unklar, da selbst Queer-Feministen die Art und Anzahl dieser "Geschlechter" nicht bekannt ist und es keinerlei assoziativen Bezug zu den verwendeten Symbolen gibt.

Seit einiger Zeit wird sogar versucht die Gendergap durch eine Lücke in der gesprochenen Sprache nachzubilden, was teilweise zu grotesk anmutenden Lautbildungen führt. Auch hierbei ist wiederum keinerlei praktischer Nutzen zu erkennen, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass der tatsächliche Grund das setzen von "Duftmarken" bzw. machtpolitische Erwägungen sind.

Diesbezüglich steht der Queer-Feminismus in der Tradition der von der zweiten Welle des Feminismus ausgehenden Versuchen die Sprache zu beeinflussen. Konkret geschieht dies dort z.B. durch die systematische Verwendung des Binnen-I oder durch Abhandlungen zum vermeintlichen sogenannten "generischen Maskulinum" welches dann durch das "generische Femininum" ersetzt werden soll.

Diese und vergleichbare Strategien der Einflussnahme sind insbesondere typisch für politisch geprägte Ideologien (im Bereich des Feminismus meist mit Grundlagen im Sozialismus bzw. Kommunismus) und werden anschaulich in George Orwells Klassiker 1984 beschrieben (Stichworte: Neusprech und die Gedankenpolizei des Ministeriums für Liebe).

Die häufig im Queer-Feminismus anzutreffende Aussage, er sei um die "Gleichheit aller Menschen" bemüht, kann ähnlich wie schon in der zweiten Welle des Feminismus als Versuch der Mythenbildung verstanden werden (analog zur Utopie der klassenlosen Gesellschaft im Kommunismus), da Heterophobie und Sexismus insbesondere gegenüber Männern aber auch gegenüber denjenigen Frauen (einschließlich Feministen der zweiten Welle), die sich nicht als Anhänger verstehen, weit verbreitet sind. Dieser Umstand wird auch von vielen Usern im deutschen Aven-Forum kritisch gesehen. Aufgrund der zumeist linken politischen Ausrichtung ("links"-liberal bis linksradikal) feministischer Strömungen wird Menschen, die sich kritisch gegenüber dem Queer-Feminismus äußern, oftmals pauschal eine Nähe zum Rechtsextremismus unterstellt.

Siehe auch

Weblinks