Gender

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Der Begriff Gender (sprich: ˈdʒɛndɚ) ist ein vor allem in der (queer)feministischen Geschlechterforschung verwendeter Anglizismus und bezeichnet dort alles, was auf sozialer Ebene mit dem Geschlecht assoziiert ist. Es wird in diesem Rahmen davon ausgegangen, dass die Vorstellung, wie ein Mensch aufgrund seines Geschlechtes auszusehen hat, wie er sich kleiden, verhalten und sogar fühlen muss, das Resultat gesellschaftlicher Prozesse ist. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Fachausdrücke wie z.B.

  • Gender Expression (geschlechtliche Äußerung): Gender Expression bezieht sich auf das nach Außen gezeigte (Selbst-)Verständnis eines Menschen mit Bezug zum Geschlecht. Dies zeigt sich u.a. durch Kleidung, Körperpflege und Verhalten. Ein ähnlicher Begriff ist der Begriff des Geschlechtshabitus.
  • Gender Role (Geschlechtsrolle): Gesellschaftlich relevante Verhaltensweisen, die typischer Weise mit einem Geschlecht assoziiert sind. So werden z.B. Männer traditionell oft als Ernährer der Familie angesehen und sind auf Beruf und Karriere hin orientiert und Frauen kümmern sich um den Haushalt und die Kinder. Die Verbreitung für das Geschlecht als typisch angesehener Rollen kann wiederum Geschlechtsstereotype verstärken, wie z.B. die Annahme, dass Männer nicht kochen können oder Frauen nicht für Führungspositionen im Beruf geeignet sind.
  • Gender Identity (Geschlechtsidentität): Geschlechtsidentität bezieht sich auf das innere Gefühl männlich oder weiblich zu sein. Der Begriff ist z.B. von Bedeutung weil bei Transsexuellen eine Unstimmigkeit zwischen ihrem Körper und ihrem inneren Gefühl vorhanden ist.

Bedeutung für die Asexualität

Die erste Regel im Bereich Geschlechtsrollen heißt auch im 21. Jahrhundert noch: Frauen haben Sex mit Männern und Männer haben Sex mit Frauen.

Eine offensichtliche Überschreitung dieser Regel finden wir in der Homosexualität. Aber auch Asexuelle überschreiten durch ihren fehlenden Wunsch sexuell zu interagieren diese Regel, bieten aber aufgrund der Abwesenheit eines sichtbaren Verhaltens zugleich eine deutlich geringere Angriffsfläche im Vergleich zu Schwulen und Lesben.

  1. Anstelle aggressiven Verhaltens wird sich daher meistens über Asexuelle lustig gemacht: Beliebte Schimpfwörter in diesem Zusammenhang sind z.B. Wichtigtuer, Profilneurotiker, Spinner, etc.
  2. Fast ebenso "beliebt" ist die Behauptung, dass es im Namen der Fortpflanzung eine "Pflicht" zum Sex mit gegengeschlechtlichen Partnern gibt. Die gleichen Personen, die mit Kondomen oder der Pille verhüten um unbekümmert ihren Spaß haben zu können, bezeichnen asexuelle Menschen dann absurder Weise als "Fortpflanzungsverweigerer" oder Schlimmeres.
  3. Ähnlich wie bei Homosexualität wird Asexualität mit dem Argument nicht "natürlich" zu sein pathologisiert. Es wird aus dieser Logik heraus also davon ausgegangen, dass es sich bei Asexualität um eine Krankheit/Störung oder um die Folge traumatischer Erfahrungen handeln muss.

Allgemeiner Hinweis zum Gender Begriff

Beim Begriff Gender handelt es sich vor allem im deutschen Raum um einen politisch und ideologisch stark aufgeladenen Begriff. Aber auch im englischsprachigen Raum ist der Begriff (abgesehen von einer teilweise unpolitischen Verwendung in der Jugendkultur, einem gelegentlich synonymen Gebrauch zum Begriff Geschlecht im rein medizinischen Bereich, sowie der eigentlichen/ursprünglichen Verwendung im Sinne des grammatischen Geschlechts (Genus)) vor allem in queerfeministischen Kreisen und im Bereich das Trans-Aktivismus und in diesem Zusammenhang leider auch auf AVENus gebräuchlich.

Als besonders problematisch ist die erstmalige Verwendung der Begriffe "gender role" und "gender identity" durch den Sexualwissenschaftler John Money in den 1950er Jahren zu sehen. Money führte unter anderem in den 1960er Jahren ethisch verwerfliche Experimente an Menschen durch. Der bekannteste Fall ist der des damals knapp 2 jährigen David (Bruce) Reimer, dem im Alter von 8 Monaten aufgrund einer missglückten Vorhautentfernung der Penis entfernt worden war. Ziel des Experiments war es zu beweisen, dass sich die Geschlechtsidentität und die gelebte Geschlechtsrolle eines Menschen durch Erziehung beliebig manipulieren lässt, bzw. männlich und weiblich sozial konstruierte und daher auch austauschbare Kategorien sind (was natürlich nicht der Fall ist). Daher sollte der Junge Bruce als Mädchen Brenda erzogen werden. Ironischer Weise wurde der Betroffene aber zusätzlich mit Östrogenen vollgepumpt, die Hoden wurden entfernt und Schamlippen wurden konstruiert. Es wurden also zusätzlich zur Erziehung auch erhebliche biologische/körperliche Manipulationen in Richtung des gewünschten Geschlechts vorgenommen. Diese "Geschlechtsumwandlung" wurde später auf Wunsch des Betroffenen hin wieder rückgängig gemacht und er lebte trotz dieser Manipulationen als Mann weiter. Bruce Reimer suizidierte sich im Alter von 38 Jahren wahrscheinlich aufgrund des durch diese Experimente verursachten Leids.

Aufgrund der mit dieser Geschichte und der politischen Verwendung des Begriffs verknüpften starken Emotionalisierung sowie der daraus resultierenden Gefahr einer Frontenbildung sowie der Einordnung unbeteiligter Personen in bestimmte Schubladen (z.B. als links- oder rechtsradikal nur aufgrund ihrer Orientierung, sexueller Vorlieben oder Einstellung gegenüber dem Feminismus), sollte auch im Sinne einer konstruktiven Aufklärung auf die Verwendung des Gender Begriffs wenn möglich verzichtet werden. Stattdessen sollte auf die auch in der (nicht-feministischen) Soziologie, der Psychologie und der Biologie gebräuchlicheren und wesentlich klareren sowie unmittelbarer verständlichen deutschen Begriffe wie z.B. Geschlecht, Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle, Geschlechtsstereotyp, etc. je nach Kontext zurückgegriffen werden.