FAQ: Was ist Asexualität eigentlich?

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Dieser Artikel ist Teil der FAQ zum Thema Asexualität und befasst sich mit dem Begriff der Asexualität von seiner ersten Verwendung bei ungeschlechtlichen Tieren, über die erste Anwendung beim Menschen bis hin zu dem, was AVEN heute unter Asexualität versteht.


Was ist Asexualität eigentlich?

Traditionelles Verständnis von Asexualität

Mit dem Begriff "Asexualität" wurden sehr lange ausschließlich Vermehrungs-Prozesse im Pflanzenreich und bei Einzellern und anderen ungeschlechtlichen Tieren beschrieben. "Ungeschlechtlich" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Genbestand bei der Fortpflanzung nicht verändert wird wie es beim Sex passiert.

Mit der Zeit wurde der Begriff langsam erweitert und beinhaltete von da an beispielsweise auch das Fehlen

  • von Geschlechtsdrüsen oder
  • der Libido (kein Geschlechtstrieb)

Bei einer Internetrecherche zum Schlagwort "Asexualität" wurden bis etwa 1997 fast ausschließlich Seiten zu Amöben (Einzeller ohne feste Körperform, die sich ungeschlechtlich fortpflanzen) gefunden.

Asexualität beim Menschen

Erst Ende der 1990er Jahre änderte sich das Bild. Im Internet tauchten erste Seiten auf, in denen Menschen den Begriff "Asexualität" benutzten, um ihre geringe bis nicht vorhandene Libido zu beschreiben. In ironischer Anspielung auf die vorherige Situation stach besonders das Yahoo-Diskussionsforum Haven for the Human Amoeba (etwa: Zuflucht für die menschliche Amöbe) hervor.

Warum dauerte es so lange, bis sich eine asexuelle Gemeinschaft bilden konnte?

Von heutiger Sicht aus betrachtet muss man sich fragen, warum dieser Prozess so lange dauerte: Neben der Heterosexualität war doch zu diesem Zeitpunkt schon länger bekannt, dass es eben auch

Die lesbisch-schwule-Bewegung war bereits weit fortgeschritten. Wenn die Menschen also akzeptieren konnten, dass es neben Menschen, die sexuelle Kontakte zu andersgeschlechtlichen Partnern suchen auch Menschen gab die gleichgeschlechtliche Kontakte wollten und Menschen die sexuelle Kontakte mit beiden Geschlechtern wollten - warum ist dann die Idee so befremdlich, dass es auch Menschen gibt, die keine sexuelle Kontakte wünschen. Weder mit einem Mann noch mit einer Frau.

Warum glauben selbst heute noch so viele Menschen an die veraltete und falsche Lehrmeinung, dass alle Menschen sexuell sind?

Der Grund ist wohl der, dass der asexuelle Erkennungsprozess sehr viel subtiler abläuft, wie beispielsweise bei Homosexuellen: Einer lesbischen Frau wird ziemlich schnell auffallen, dass sie nicht der Norm entspricht. Es fällt ihr ziemlich schwer zu ignorieren, dass sie sich sexuell nicht zu Männern sondern zu Frauen hingezogen fühlt. Der Versuch die heterosexuelle Norm dennoch zu erfüllen wird einer Lesbe ziemlich schwer fallen.

Eine asexuelle Frau hingegen fühlt sich sexuell weder von Männern noch von Frauen sexuell angezogen. In einer Gesellschaft die vorgibt, zu wem wir uns sexuell angezogen fühlen sollen, kann sich diese asexuelle Frau sehr viel einfacher anpassen. Natürlich haben solche angepassten asexuelle Menschen oft massive Probleme mit ihrer Sexualität. Sie merken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Aber von außen betrachtet unterscheiden sie sich nicht von sexuellen Menschen.

Erschwerend kommt noch die Tatsache dazu, dass asexuelle Menschen sich nicht aufgrund ihrer sexuellen Neigung dazu veranlasst sehen, sich zu suchen wie es für schwule, lesbische und bisexuelle Menschen "normal" ist. Asexuelle sind also von Natur aus weniger motiviert eine asexuelle Gemeinschaft aufzubauen.

AVEN's Verständnis von Asexualität

Die heute weltweit größte asexuelle Gemeinschaft AVEN (Asexual Visibility and Education Network = Netzwerk für Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit über Asexualität) wurde wahrscheinlich auch aus diesem Grunde "erst" 2001 in Amerika gegründet. Seit Januar 2005 existiert auch ein Forum in deutscher Sprache (AVENde), in dem Asexualität als "keinen Verlangen nach sexueller Interaktion" definiert wird.

Was ist eine sexuelle Interaktion?
Die Definition ist ganz bewusst sehr allgemein gehalten, da Asexuelle im Allgemeinen sehr verschieden sind. Bei manchen fängt die sexuelle Interaktion erst mit dem eigentlichen Geschlechtsakt an, für andere zählt bereits ein Kuss oder eine Berührung dazu. Durch das Wort "Interaktion" soll aber in jedem Fall deutlich gemacht werden, dass sexuelle Handlungen zwischen mindestens 2 Personen gemeint sind. Selbstbefriedigung wird also ausdrücklich aus der Definition herausgenommen, solange keine weiteren Personen daran beteiligt sind.

Manche Asexuelle mögen Erotik andere nicht. Einige empfinden Erregung oder erleben romantische Anziehung. Vereinfacht gesagt gibt es nur einen Punkt, indem sich alle Asexuelle gleichen: Sie haben kein Bedürfnis nach sexuellen Handlungen mit anderen.

Weitergehende Informationen

Sexualtrieb oder: Asexuelle üben Selbstbefriedigung aus und nennen sich dennoch asexuell?

Rein physisch sind viele Asexuelle zu Sex fähig. Manche befriedigen sich auch selbst - andere wiederum nicht. Masturbation kann ein Gefühl erzeugen, dass viele Asexuelle als angenehm empfinden. Manche stimulieren sich nur manuell, andere auch durch Gedanken.

Der Unterschied zwischen Sexuellen und Asexuellen besteht darin, dass Asexuelle bei der Masturbation vielfach keine speziell sexuellen Gedanken haben. Wenn sie dabei an andere denken ist es reine Fantasie. Wenn ihnen tatsächlich die Möglichkeit gegeben würde mit dieser Person sexuell aktiv zu werden, würde kein Wunsch danach bestehen oder der Trieb wäre so gering, dass er vollständig ignoriert werden kann.

  • Einige Asexuelle können auch als Autosexuelle verstanden werden. Sie haben den Trieb, von ihren Körpern sexuelles Vergnügen zu bekommen.
  • Andere masturbierende Asexuelle haben keinen Sexualtrieb, sie masturbieren lediglich, weil es sich gut anfühlt.

Die Gemeinsamkeit bei allen Asexuellen liegt unabhängig von der Masturbation darin, dass sie keinen Wunsch verspüren, mit anderen sexuell aktiv zu werden.

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