FAQ: Hilfe! Mein Kind ist asexuell

Aus Asex-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dieser Artikel ist Teil der FAQ zum Thema Asexualität.


Warum nur?

Ist das einfach nur eine Phase der Rebellion? Werden sie nicht herauswachsen? Sie sind doch noch viel zu jung, um sich in einem Bereich wie diesem festzulegen.

Asexualität ist ein Gebiet, in dem sich wenige auskennen. Es ist zweifelhaft, ob Ihr Kind das wählen würde, um dadurch zu rebellieren. Die meisten werden sich ihrer Sexualität bereits sehr früh bewusst. Erinnern Sie sich, dass Sie sich während des Heranwachsens vielleicht schnell mal verliebt haben und sich im Teenageralter zweifellos sexuell von jemandem angezogen fühlten. Nur Ihr Kind wird es genau wissen, falls es einmal "da herauswächst". Sexualität ist nicht starr und kann sich über die Zeit verändern, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass Ihr Kind seine Sexualität nur deswegen verändern wird, weil es groß wird. Asexualität ist eine Orientierung, kein Zeichen von Unreife.

Sex ist ein natürlicher Teil der Existenz. Wovor hat mein Kind Angst oder wessen schämt es sich?

Nichts. Viele Asexuelle sind sogar ziemlich liberal in ihren Ansichten gegenüber Sex. Ihr Kind hat keine Angst oder schämt sich wegen sexueller Intimität; es hat nur einfach kein Verlangen danach. Jemand, der kein Interesse daran hat, z.B. ein bestimmtes Essen zu probieren, hat keine Angst davor: sie haben einfach nur kein Verlangen, das Essen auszuprobieren.

Wie kann mein Kind eine Meinung über etwas haben, was es noch nie ausprobiert hat.

Asexuelle haben kein Verlangen danach, sexuelle Beziehungen einzugehen. Wenn man bereits dieses Verlangen nicht hat, ist es zweifelhaft, ob ein Versuch die Situation umkehren wird. Jemanden dazu zu zwingen, entgegen seiner Natur zu handeln, lediglich um sich selbst zu beweisen, ist sehr gefährlich. Wenn Ihr Kind eines Tages mit sexuellen Beziehungen experimentiert, wird es zu einer Zeit sein, wann es ihm selbst gefällt.

Warum musste sie/er es mir sagen? Ich hätte es lieber nicht gewusst.

Ihr Kind bittet um ihre Unterstützung. Sie sind sein Erziehungsberechtigter. Seit der Geburt ist es von Ihrer Sicherheit und Beruhigung abhängig. Dass es Ihnen derart persönliches Wissen über sich anvertraut, beweisst, dass es Sie des Verständisses und der Unterstützung in jeder schwierigen Zeit, die es haben wird, für fähig hält. Asexuelle haben im Allgemeinen mit einer hohen Intensität an Selbstfindung und Verwirrung zu kämpfen, die auf Mangel an Wissen über diese Orientierung zurückzuführen ist. Also ist es nur natürlich, dass ihr Kind nach einer so schweren Zeit sein Vertrauen in Sie legt.

Was bedeutet das?

Heißt das, mein Kind wird auf Leute, die Sex haben, herabsehen oder sie hassen?

Elitedenken unter Asexuellen ist zum Glück sehr selten. Während sich Ihr Kind von Gesprächen seiner Mitschüler über deren sexuelle Eroberungen verwirrt und befremdet fühlen könnte, ist das vorhersehbar bei jemandem, der Nicht-Sexualität erlebt. Das ist nur ein weiteres Problem, für das es bei Ihnen Unterstützung suchen wird. Es ist zweifelhaft, ob daraus ein Hass gegen Mitmenschen entsteht, die es vorher als Freunde empfunden hat.

Heißt das, sie sind unfähig zu lieben?

Kaum. Viele Asexuelle erfahren romantische und liebevolle Gefühle anderen gegenüber. Nur weil Ihr Kind nicht daran interessiert ist, einen Partner auf traditionelle Weise wie über "Blind Dates" und ähnliches zu finden, bedeutet nicht, dass es menschenfeindlich ist. Es kann sehr enge Bindungen mit Freunden ausbilden und könnte eines Tages sogar eine nicht-sexuelle Beziehung eingehen. Andererseits könnte es auch vollkommen uninteressiert an romantischen Beziehungen sein und sich platonische Bindungen wünschen. Drängen Sie Ihr Kind nicht dazu "den/die Richtige/n" zu finden. Obwohl es vielleicht Liebe auf ganz andere Art sucht, es ist dergleichen Gefühle von Mitleid und Hingabe fähig wie jeder andere, einfach nur auf andere Weise ausgedrückt.

Was tun?

Habe ich als Elternteil etwas falsch gemacht, um das auszulösen?

Absolut nicht. Wie schon gesagt, die Sexualität eines Individuum ist ein sehr komplexer Bereich. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass es an der Art liegt, wie Sie Ihr Kind erzogen haben oder dass ein einzelner Vorfall in seinem Leben von ganz allein Ursache dafür ist.

Ich will nur das Beste für mein Kind. Was, wenn es unglücklich wird? Ich will nicht, dass es allein stirbt.

Erinnern Sie sich an die alte Floskel, dass Sie Ihren Kindern vielleicht schon früher gesagt haben: "Wenn jemand von einer Brücke springt, würdest du dann hinterherspringen?" Nur weil Ihr Kind sein Leben nicht so lebt, wie andere es zum Glücklichsein brauchen, bedeutet das nicht, dass es unglücklich ist. Ihr Kind hat wahrscheinlich einen langen Selbstfindungsprozess hinter sich, bevor es zu dem Schluss gekommen ist, dass es asexuell ist. Das könnte sogar das erste Mal seit langem sein, dass es sich sicher fühlt. Wenn es glücklich aussieht, seien Sie dankbar und machen Sie sich keine Sorgen, ob es in die gesellschaftliche Norm passt. Ein Mensch mit einer guten Persönlichkeit und starken Freundschaften sollte sich niemals Sorgen machen müssen, allein zu sterben.

Wie kann ich meinem Kind weiterhelfen?

Seien Sie für es da. Wenn es reden muss, hören Sie zu. Seien sie unterstützend. Erlauben Sie ihm, sich selbst Gedanken zu machen, wenn es das wünscht. Und vor allem, erinnern Sie sich daran, dass Sexualität nur ein einziger Aspekt des Lebens ist. Ihr Kind ist noch die gleiche Person, die Sie immer gekannt haben.

Glauben Sie, es kommt von sexuellem Missbrauch/verdrängter Homosexualität/irgendeiner anderen psychologischen Ursache? Solle ich mein Kind zu einem Psychiater schicken?

Versuchen Sie nicht, unbedingt anzunehmen, dass etwas davon zutrifft. Wenn Ihr Kind in der Vergangenheit keine Anzeichen von mentaler Instabilität aufgewiesen hat, überzeugen Sie sich nicht davon, dass es ein Trauma vor Ihnen verbirgt. Falls Ihr Kind mit seiner Asexualität wirklich falsch liegen sollte und sie von äußeren Kräften herbeigeführt wurde, wird es sich dessen zu einem späteren Zeitpunkt bewusst werden. Wenn ein unglücklicher Vorfall wie sexueller Missbrauch in der Vergangenheit vorgekommen ist, bedeutet das nicht, dass Ihr Kind dadurch asexuell "gemacht" wurde. Während die Diskussion über die Gründe für eine sexuelle Orientierung wahrscheinlich noch Jahrzehnte andauern wird, kann es kaum allein an einem Vorfall oder einer geistigen Verfassung festgemacht werden. Wenn Ihr Kind nach einem Therapeuten verlangt, der ihm hilft, mit seiner Asexualität klar zu kommen, ist das auch ok. Suchen Sie keinen Therapeuten, um die Asexualität Ihres Kindes gegen seinen Willen zu "heilen". Das würde sich schädlich auf die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind auswirken und möglicherweise seinem Selbstwertgefühl schaden.

Sollten wir es der Familie/Nachbarn/Lehrern usw. sagen? Was werden die anderen denken?

Es ist ratsam, es niemandem ohne das Einverständnis Ihres Kindes zu sagen. Es ist ziemlich unnötig, es Nicht-Familienmitgliedern und Bekannten mitzuteilen. Ihr Kind wird sich entscheiden, mit welchen Familienmitgliedern und Freunden es darüber reden möchte. Was diese Leute denken ist für die Art und Weise, wie Ihr Kind sein Leben lebt, unwichtig.


Weblinks

Aktuelle Eltern-FAQ auf AVENde