FAQ: Fragen zur Gemeinschaft der Asexuellen (AVEN)

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Dieser Artikel ist Teil der FAQ zum Thema Asexualität.


Die asexuelle Gemeinschaft

Gibt es viele asexuelle Menschen?

Obwohl es viele Menschen gibt, die wenig sexuelle Neigung empfinden, nennen sich nur wenige "asexuell". Der Begriff und die Vorstellungen hinter diesem Begriff erleichtern aber die Kommunikation (dafür gibt es diese WebSite) und helfen Leuten ihren Platz in der sexuellen Welt besser zu verstehen. Hat das deine Frage beantwortet?

Nein.

Okay, okay. Nicht viele Menschen sind bekennende Asexuelle, weil Asexualität in unserer Gesellschaft bisher keine "gültige" Wahlmöglichkeit darstellt. Je bekannter diese Option jedoch wird, desto mehr Menschen finden sich eher darin wieder als in vorherrschenden Vorstellungen über Sexualität.

Warum wollen oder brauchen Asexuelle ein "Coming-Out" überhaupt ?

Auf einige Asexuelle trifft tatsächlich zu, dass ihre Asexualität für sie überhaupt keine Rolle spielt. Sie haben nie einen Grund, Sex zu erwähnen und fühlen sich in ihren zwischenmenschlichen Kontakten vollkommen wohl.

Andere Asexuelle finden sich in Situationen wieder, wo von ihnen erwartet wird, sexuell zu sein. Sie könnten sich unter Druck gesetzt fühlen, sexuelle Anziehung vorzutäuschen, um nicht aufzufallen und es einfach zu haben. Viele befinden sich in einer sozialen Umgebung, die ständig über sexuelle Anziehung redet, seien es Sexgespräche im Büro oder das "Sieh Dir mal ihre Beine an!". Es könnte leichter sein, einfach mitzumachen und vorzutäuschen, dass Du sexuelle Gedanken und Gefühle hast, aber dann bist Du praktisch "im Wandschrank", ob nun, um Dir Schande zu ersparen oder Dir das Leben leichter zu machen.

Einige Asexuelle empfinden es als aufbauend, auch nach außen als ohne sexuelle Anziehung zu gelten. Sie müssen nicht mehr in den Hintergrund abtauchen, wenn über Sex gesprochen wird, oder sexuelles Interesse vortäuschen, um sich anzupassen. Sie können vollständig offen darüber sein, wer sie sind und was sie fühlen.

Ein weiterer beachtenswerter Grund liegt darin, Sichtbarkeit und Akzeptanz für Asexuelle in der Gesellschaft zu erhöhen. Während Du Dich vollkommen wohl fühlen kannst, so wie Du bist, fühlen sich andere Asexuelle am Ende und weniger wert als andere. Mit wachsender Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft, verbreitet sich auch die Vorstellung, dass Asexualität ein gültiger Teil menschlicher Erfahrung ist. Schon ein einziger Asexueller erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass andere Asexuelle nicht mit dem Gedanken groß werden müssen, dass irgendetwas mit ihnen nicht in Ordnung ist und sich dessen schämen müssen.

Ein "Coming out" ist natürlich Deine eigene, persönliche Entscheidung und niemand wird Dich geringer schätzen, wenn Du Dich dagegen entscheidest.

Brauchen wir überhaupt eine asexuelle Gemeinschaft?

Du könntest der Meinung sein, dass eine asexuelle Gemeinschaft für Dich nichts taugt, aber andere Asexuelle nehmen sich eine Menge mit vom gemeinsamen Teilen von Erfahrungen.

Es gibt eine Reihe verschiedener Dinge, die man für sich herausziehen kann. Einige Mitglieder wünschen sich, mit anderen über ähnliche Erfahrungen zu sprechen, andere erfahren gern die gesamte Bandbreite an Erfahrungen innerhalb der Gemeinschaft. Wieder andere reden von ihrer Suche nach einer romantischen Beziehung, manche reden gern über die zahllosen Möglichkeiten asexueller Beziehungen. Einige möchten gern lernen, wie man ungezwungener mit seiner Asexualität umgeht, andere sind ganz wild darauf, zu feiern, was sie sind. Einige möchten die Situation für zukünftige Asexuelle erleichtern, andere wollen verbreiten, dass Asexualität existiert und es ok ist, so zu sein. Einige wollen Asexualität und Sexualität theoretisch diskutieren, andere wollen einfach Spaß haben und mit anderen Gedichte oder Geschichten teilen.

Die asexuelle Gemeinschaft könnte etwas für Dich sein, oder auch nicht. Wenn Du denkst, dass es Dir etwas geben könnte, Erfahrungen anderer Leute mit geringer oder gar keiner sexuellen Anziehung zu hören, dann solltest Du es versuchen.

Facetten der Asexualität

Geht es nur um Sex?

Wenn wir ein Aufklärungsbuch über Sexualität aufschlagen, findet man unter dem Schlagwort "Heterosexualität" ein ganz breites Spektrum. Neben Sex geht es da auch um Liebe, Unsicherheiten, Eifersucht, Beziehungsstress und andere Beziehungsfragen usw.

Die Homosexualität ist dagegen oft "nur" anhand von Sex beschrieben. Liegt das daran, daß Homosexuelle nur Sex im Kopf haben und sich für die anderen Dimensionen gar nicht mehr interessieren? Nein, das Problem ist vielmehr, daß sich die Autoren gar nicht erst die Mühe machen die Vielseitigkeit der Homosexualität näher zu untersuchen. Die eigene Sexualität mit der man sich wirklich identifizieren kann ist bei weitem interessanter.

Auch die Asexualität hat dieses Problem. Schon in unserer Definition geht es um Sex ... aber selbstverständlich gehören zu einem erfüllten asexuellen Leben ebenso tausend weitere Facetten wie sie in ein erfülltes (hetero)sexuelles Leben gehören.

Warum redet ihr denn überhaupt von Sex?

Gerade durch den Umstand, dass Asexuelle kein Interesse an Sex haben geraten sie in einer sexuellen Welt leicht in Situationen, in denen von ihnen erwartet wird, dass sie sich entgegen ihrer Neigung verhalten. Es ist nur natürlich, dass asexuelle Menschen dann das Bedürfnis haben darüber zu reden und letztlich haben sie ja auch ein Recht darauf, sich anders verhalten zu dürfen und sichtbar zu machen, daß es eben auch noch andere Perspektiven und Gefühle gibt.


Weblinks

Aktuelle FAQ auf AVENde