FAQ: Bin ich auch asexuell?

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Dieser Artikel ist Teil der FAQ zum Thema Asexualität.


Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches

Bin ich asexuell?

Ich habe vieles von dem gelesen, was ihr über Asexualität schreibt. Mit vielem kann ich mich identifizieren. Aber wie kann ich genau wissen, dass ich wirklich asexuell bin?
Niemand kann dir auf die Frage ob du asexuell bist eine Antwort geben. Nur du selbst kannst entscheiden, welche Beschreibung am besten zu deinen Erfahrungen passt und mit welcher du dich wohl fühlst. Vergiss aber nicht, dass die Definition für Asexualität lautet "Kein Verlangen nach sexueller Interaktion" bzw. "keine sexuelle Anziehung" (die erste Definition wird auf Aven Deutschland von knapp 80% der Mitglieder bevorzugt. Siehe dazu diesen Thread auf Aven).

Auf der Grundlage von Aussagen bekennender Asexueller (größtenteils von AVENus) wurde an der University of British Columbia ein wissenschaftlich fundierter Test entwickelt um Asexuelle von Sexuellen abzugrenzen, der auch unsicheren Menschen als eine grobe Orientierung dienen kann. Siehe dazu diesen Thread im Aven-Forum: wissenschaftlich fundierter Test - bin ich asexuell?.

Natürlich musst du dich auch nicht als asexuell bezeichnen, nur weil diese Definitionen auf dich zutreffen. Es ist alleine Deine Entscheidung.

Vielleicht habe ich meine Sexualität verdrängt oder ich benutze Asexualität nur dazu, um mich vor der realen Welt zu verstecken

Nur du kannst wissen, ob du asexuell bist oder nicht. Hast du den Wunsch danach mit anderen sexuell zu verkehren? Gibt es Menschen, die dich "anmachen"?

Es gibt Menschen, die sexuellen Kontakten bewusst aus dem Weg gehen, weil sie Dinge wie z.B. Intimität und Nähe vermeiden möchten. Diese Menschen sind nach unserem Verständnis nicht asexuell - aber dennoch genau wie alle anderen Menschen, die sich mit uns austauschen wollen in der asexuellen Gemeinschaft willkommen. Sie werden jedoch im Allgemeinen schnell herausfinden, dass ihr emotionales Problem sich durch eine "Flucht in die Asexualität" nicht beheben lässt. Wir Asexuelle beschäftigen uns mit all den komplexen Herausforderungen in Beziehungen genauso, wie es auch sexuelle Menschen tun. Es ist also in jedem Fall besser, sich seinen Problemen - eventuell mit Hilfe eines Therapeuten - zu stellen als ihnen aus dem Weg zu gehen. Asexualität ist keine Fluchtmöglichkeit, sondern eine mögliche Ausdrucks-Form der Sexualität.

Vielleicht habe ich ja einfach noch nicht den richtigen Menschen gefunden

Möglicherweise kann ein Asexueller tatsächlich einen Menschen finden, zu dem er sich sexuell hingezogen fühlt. Möglicherweise kann auch eine Lesbe den "richtigen Mann" finden, der ihre sexuellen Wünsche befriedigen kann.

Wie auch immer: Wenn du eines Tages den/die Richtige/n findest finden wir das ganz toll :)

Bis dahin denken wir aber, daß es nichts zu verlieren gibt, wenn man offen und ehrlich zugibt zu anderen Menschen nur geringe oder gar keine sexuelle Anziehung zu empfinden. Der Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie man selbst kann niemals schaden. Im Gegenteil, er wird von fast allen als sehr befreiend empfunden. Für diesen Austausch ist es auch gar nicht notwendig, dich als asexuell zu identifizieren. Als unentschlossener oder auch als sexueller Mensch bist du genauso willkommen. Aber auch wenn du dich als asexuell identifizierst gibt es keinen Grund sich zu verstecken: sich jetzt asexuell zu empfinden beinhaltet schließlich keine Festlegung auf die Zukunft oder ist gar soetwas wie ein Versprechen abstinent zu leben. Niemand hindert dich daran Beziehungen zu haben und sexuell zu werden. Also, finde ruhig heraus wie du fühlst.

Was, wenn es nur eine Phase ist?

Tja, was dann? Das ändert doch nichts daran, dass du dich gerade jetzt als asexuell empfindest.

Die Hoffnung, letztendlich zu einem sexuellen Mensch zu "erblühen" kann dazu verführen die eigene Asexualität zwar hinzunehmen aber sie nie wirklich zu akzeptieren. Selbst wenn sich noch etwas verändert: Willst du dein Leben wirklich damit verbringen, dich selbst als unentwickelte Person wahrzunehmen und sehnsüchtig auf den Tag zu hoffen, an dem du endlich vollkommen wirst? Könntest du dich nicht wohler damit fühlen, dich als vollständige und wertvolle Person zu akzeptieren, so wie du im Moment bist?

Es ist keine Schande, sich jetzt so zu identifizieren und später anders. Deine Identität sollte dich nicht einschränken. Wenn du dich weiterentwickelt hast und dich verändert hast, dann beschreibe dich unbedingt neu. Wenn du Angst hast, in Zukunft anders zu sein, ändert das nichts daran, welche Bezeichnung für dich heute sinnvoll ist. Veränderung ist nichts Schlimmes.

Schubladen und Kategorien definieren dich nicht, sie beschreiben dich. Sie sind Abkürzungen, um die Komplexität deiner Identität anderen zu erklären und ein Sprungbrett, von dem ausgehend du dich selbst erkunden und verstehen kannst. Wenn eine Bezeichnung dir nicht mehr ausreicht, musst du sie nicht verwenden. Wenn eine Gruppe dir sagt, dass es nur einen einzigen wahren Weg für dich gibt, dann musst du ihnen nicht zuhören!

Es gibt viele Gründe, eine asexuelle Identität zu begrüßen oder etwas zur asexuellen Gemeinschaft beizusteuern, aber wenn du herausfindest, dass das für dich nicht das Richtige ist oder es dich einschränkt, habe keine Angst anzusprechen, wie du dich fühlst und fürchte die nicht davon Abschied nehmen zu müssen.

du musst dich auch nicht als asexuell identifizieren, um die Erfahrungen Asexueller für dich als sinnvoll zu empfinden und aktiv zur Gemeinschaft beizutragen. Wenn du dich mit geringer oder gar keiner sexuellen Anziehung zu anderen beschäftigst, dich aber nicht als asexuell definierst, dann bist du trotzdem herzlich zum mitmachen eingeladen!

Abgrenzungen

Ich finde Menschen sexuell attraktiv und empfinde Verlangen nach Sex mit ihnen aber ich mag Sex nicht und würde das nie tun. Bin ich asexuell?

Wenn du eine Lust nach sexuellen Handlungen mit anderen empfindest, dem aber nicht nachgehst, dann trifft die Definition auf dich nicht zu. Asexualität ist ein "Mangel" an sexueller Anziehung zu anderen Menschen bzw. ein "Mangel" an Verlangen nach sexueller Interaktion aber kein "Mangel" an Aktivität. Ebenso ist Asexualität keine Entscheidung. Asexuelle werden nicht "scharf" in Hinblick auf andere und wären auch vollkommen damit zufrieden, wenn sie niemals im Leben eine einzige sexuelle Erfahrung mit jemandem teilen würden, d.h. sie empfinden keinen (primären/intrinsischen) Leidensdruck durch die fehlende Aktivität.

Wenn du ein sexueller Mensch bist, der sich gegen Sex entschieden hat, oder der keine Möglichkeit dazu hat, dann trifft darauf eher der Begriff "Zölibat" oder "Abstinenz" zu. Bei manchen Menschen kann die Ablehnung von Sex aber auch so weit gehen, dass sie einen Hass auf alles sexuelle und sogar auf sexuelle Menschen entwickeln. Diese Einstellung bezeichnet man als antisexuell und sie hat mit Asexualität nichts zu tun. Die meisten Antisexuellen sind nicht asexuell auch wenn einige davon sich das einreden wollen.

Es gibt für sexuelle Menschen aber natürlich auch viele andere Gründe, ein Leben ohne Sex zu führen. Es kann sich dabei um religiöse oder moralische Gründe handeln, sie könnten die Vorstellung von Sex nicht mögen, sie könnten der Meinung sein, dass Sex nur innerhalb einer langlebigen Beziehung praktiziert werden sollte oder sie können sich aufgrund von negativen Erfahrungen in der Vergangenheit für zukünftige Enthaltsamkeit entscheiden. Der Unterschied zwischen Asexuellen und zölibatären oder abstinenten Menschen besteht darin, dass Asexuelle sich nicht ausgesucht haben asexuell zu sein, sie sind es einfach. Du könntest viele Gemeinsamkeiten mit Asexuellen haben und du könntest auch aus einer Teilnahme an der asexuellen Gemeinschaft Nutzen ziehen, aber eine Gruppe, die speziell auf zölibatäre oder abstinente Menschen ausgerichtet ist wird für dich vermutlich sinnvoller sein.

Ich war früher sexuell, heißt das, dass ich jetzt nicht asexuell sein kann?

Wer wenig oder überhaupt kein Verlangen nach sexueller Interaktion bzw. keine sexuelle Anziehung zu anderen mehr empfindet, ohne durch diese Veränderung einen Leidensdruck zu erleben, auf den trifft die Definition von Asexualität grundsätzlich zu.

Allerdings hat Asexualität als Orientierung einen zeitlich überdauernden Charakter und ändert sich daher im allgemeinen nicht grundlegend. Ob und inwiefern bestimmte Auslöser für Veränderungen im Leben relevant waren und was das für die Zukunft bedeutet kann man aber nur selbst beurteilen. Die Einordnung in den Graubereich bzw. der Begriff der Semisexualität ist auch eine Möglichkeit um Veränderungen zu beschreiben.

Anziehung & Erregung

Ich fühle mich erst wirklich von jemandem angezogen und/oder entwickle ein Verlangen nach sexueller Interaktion, nachdem ich denjenigen besser kennengelernt habe. Was bedeutet das?

Eine mögliche Bezeichnung für diese Menschen ist Demisexuelle. Die meisten Sexuellen empfinden schon beim bloßen Ansehen andere Personen (z.B. aufgrund optischer Merkmale oder bestimmter Bewegungsmuster) als sexuell anziehend und/oder suchen sich aufgrund ihres sexuellen Verlangens Partner, die ihrer emotionalen Grundorientierung entsprechen. Asexuelle und demisexuelle Menschen (aber auch einige Sexuelle) werden hingegen primär von der Persönlichkeit oder komplexen Verhaltensweisen eines Menschen angezogen. Sie können also nicht feststellen, ob die andere Person für sie anziehend ist (bzw. entwickeln kein Verlangen nach sexueller Interaktion) solange sie nicht herausfinden konnten, wie ihre Persönlichkeit ist. Es ist für diese Menschen also üblich, Verlangen nicht mit Körpern zu verbinden, sondern allenfalls dann ein Bedürfnis nach sexueller Nähe zu entwickeln, nachdem sie den anderen als Freund kennen gelernt haben (obwohl eine "Liebe nach dem erstem Gespräch" durchaus möglich ist).

Der wichtigste Unterschied zwischen Sexuellen und Demisexuellen im Vergleich zu Asexuellen besteht darin, dass die Anziehungen Sexueller und Demisexueller das Verlangen nach sexuellen Handlungen mit einschließen, während das Verlangen Asexueller in Richtung anderer Formen von Intimität geht.

Mich ziehen manche Menschen an, ich habe aber nicht das Verlangen nach Sex mit ihnen. Wohin passe ich?

Viele Menschen können andere z.B. als ästhetisch oder intellektuell interessant bzw. anziehend empfinden oder sogar romantische Gefühle für sie entwicklen, ohne dass dabei eine erotische bzw. sexuelle Komponente im Spiel ist. Solange das ausschließlich der Fall ist, sind diese Menschen in jedem Fall (gemäß aller üblichen Definitionen) asexuell. Andere Menschen können in der gleichen Situation hingegen (zusätzlich) auch sexuelle Empfindungen erleben, haben aber dennoch kein Verlangen danach deswegen auch sexuell zu interagieren. Obwohl sie sich der Existenz einer sexuellen Komponente in der Anziehung also bewusst sind haben sie dennoch kein Bedürfnis danach diese auch auszuleben (diese Menschen wären nach US-Definition nicht asexuell aber nach der deutschen Definition schon). Wieder andere Menschen haben zwar ein Bedürfnis nach sexueller Interaktion bzw. sexuellen Aktivitäten mit anderen empfinden dabei aber keine sexuelle Anziehung oder sogar überhaupt keine Anziehung zu diesen Personen (diese Menschen wären nach der US-Definition asexuell aber nach der deutschen Definition nicht).

Keine sexuelle Anziehung

Ich finde niemanden sexuell anziehend und hatte noch nie den Wunsch nach Sex. Heißt das, dass ich asexuell bin? Laut Definition, ja. Aber es liegt ganz an dir zu entscheiden, ob diese Beschreibung für dich sinnvoll ist und was, wenn überhaupt etwas, asexuell sein für dich bedeutet.

Ich fühle mich von meinem Partner nicht sexuell angezogen. Heißt das, ich bin asexuell?

Nicht unbedingt. Sexuelle fühlen sich nicht von jedem angezogen. Frage dich, ob du dich jemals von jemandem sexuell angezogen gefühlt hast (starke Gefühle von unterhalb der Gürtellinie), irgendwann in Deinem Leben. Wenn es so ist, könnte es sein, dass etwas anderes vorliegt.

Ich verliebe mich niemals. Ein paar enge Freunde zu haben ist mir genug. Ich bin wohl besonders asexuell, oder?

Menschen die keinen Wunsch nach sexueller Interaktion verspüren nennen wir asexuell. Allerdings gibt es keine "Hierarchie von Asexualität": Asexuelle mit geringem "Romantiktrieb" können auch als Aromantiker bezeichnet werden und sind nicht "mehr asexuell" als beispielsweise Menschen die sich häufig verlieben.

Auch Asexuelle, die sich in sexuellen Beziehungen mit liebenden Partnern befinden haben genau die gleiche Stellung innerhalb der asexuellen Gemeinschaft, wie jene, die niemals irgendeine sexuelle Erfahrung hatten. Unsere Gemeinschaft hat nichts mit Elitedenken zu tun - jeder Einzelne ist ebenso viel Wert wie der andere.

Einige Dinge machen mich an, aber die haben nicht wirklich etwas mit anderen Menschen zu tun. Ich nehme an, dann bin ich nicht asexuell?

Bei der Entscheidung, ob du dich als asexuell oder nicht identifizieren möchtest, könnte es hilfreich sein, zu beachten, ob du den Wunsch hast, Deine Sexualität mit anderen Menschen auszudrücken. Egal, ob Deine Sexualität Anziehung zu anderen beinhaltet, könnte jemand anderes dich dennoch dabei unterstützen, sie irgendwie auszudrücken. Wenn du nicht das Bedürfnis hast, jemanden anderes mit einzubeziehen, dann wirst du dich wahrscheinlich innerhalb der asexuellen Gemeinschaft wohl fühlen.

Für einige Menschen muss der Ausdruck von Liebe Sex beinhalten. Für sie scheint es selbstverständlich, dass du dir wünschst, deinen Partner in deine Sexualität mit einzubeziehen, wenn du fähig bist, auf irgendeine Weise sexuell zu sein. Für viele Asexuelle besteht aber eben keine solche Verbindung zwischen Sex und Liebe. Deinen Partner aus deinen sexuellen Gefühlen herauszuhalten, besonders, wenn diese nichts mit Sex oder anderen Menschen zu tun haben, bedeutet nicht, dass du diese ablehnst oder deine Liebe nicht vollkommen ausdrückst.

Persönlichkeit wird um Dinge gebildet, die man erst über sich herausfinden muss. Menschen, die sich als asexuell erkennen versuchen eher herauszufinden, wie man ein emotional vollständiges Leben führen kann, ohne dabei unbedingt eine sexuelle Beziehung mit anderen einzugehen und wie man in einer Welt leben kann, die hohen Wert auf Sexualität und sexuelle Beziehungen legt. Wenn das auch etwas ist, mit dem du dich auseinander zu setzen hast, dann lohnt sich ein Besuch in der asexuellen Gemeinschaft.

Asexuelle mit überhaupt keinen sexuellen Wünschen haben mit all denen eine Menge gemeinsam, die in ihre sexuelle Gefühle niemanden anders mit einbeziehen. Beide Gruppen können sich in einer Gesellschaft verunsichert fühlen, die von jedem erwartet, dass er an anderen in sexueller Hinsicht interessiert ist.

Irgendetwas dazwischen?

Ich habe Sex mit meinem Partner, aber niemals Verlangen nach anderen

Ich bin gern mit meinem Partner sexuell, aber ich hatte niemals das Verlangen, mit irgendjemandem anders Sex zu haben. Kann es sein, dass ich asexuell bin?

Die meisten Asexuellen sind zum Sex fähig, z.B. wird Masturbation von einigen Asexuellen als angenehm empfunden. Wenn du Sex eher als Ausdruck romantischer oder emotionaler Anziehung (Liebe) als von einem Sextrieb veranlasst empfindest, dann muss das Deiner asexuellen Identität nicht widersprechen.

Wenn du dich niemals von anderen angezogen fühlst, wenn du nie "scharf" auf Sex bist, dann passt du in die Definition von Asexualität. Genauso, wie sexuelle Menschen in asexuellen Beziehungen leben können, können asexuelle Menschen an sexuellen Beziehungen teilnehmen. Wenn du dich damit wohl und glücklich fühlst, ist das eher Grund zum Feiern als ein Grund, deine "asexuelle Reinheit" anzuzweifeln.

Es gibt auch noch andere Gründe, warum Asexuelle sich für sexuelle Aktivität entscheiden. Die Beweggründe könnten Neugier oder Experimentierfreude sein (eine beträchtliche Anzahl Asexueller haben schon irgendwann einmal Sex ausprobiert). Manche Teile des Sex könnten lustvoll und angenehm empfunden werden, um sie auch ohne sexuelle Anziehung oder Trieb zu motivieren. In einer Liebesbeziehung können manche Asexuelle daran Freude haben, ihrem Partner sexuelles Vergnügen zu geben, ohne selbst sexuelle Befriedigung zu suchen.

Oft scheinen die sexuellen Beziehungen Asexueller weit von dem entfernt, was als "normal" bezeichnet wird. Es ist nicht unüblich für den asexuellen Partner, über seinen Mangel an sexueller Erregbarkeit und Vergnügen offen zu sein. Sexuelle Handlungen können vollkommen einseitig scheinen oder sexuelle Aktivität könnte stark auf Sinnlichkeit basieren wobei der Geschlechtsverkehr eine untergeordnete Rolle spielt. Diese Beziehungen gründen sich oft auf hoher Offenheit. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Asexueller sich in einer sexuellen Beziehung mit einem Partner, der nichts von seiner Asexualität weiß, vollkommen wohl fühlt.

Es sollte erwähnt werden, dass den meisten Asexuellen Sex vollkommen gleichgültig ist oder sie es vielleicht versucht haben und es als enttäuschend empfunden haben. Andere empfinden die Vorstellung, an sexuellen Aktivitäten teilzunehmen, vollkommen abstoßend.

Die Gemeinsamkeit aller Asexueller besteht darin, dass sie kein Verlangen nach Sex mit anderen haben. Sie werden nicht "scharf" und andere machen sie nicht an. Das hält sie nicht zwangsläufig davon ab, beim Sex Vergnügen zu empfinden, wenn sie sich dazu entschlossen haben.

Sexuelle Anziehung kenne ich, aber das passiert fast nie!

Ich fühlte mich bisher in meinem Leben nur von etwa zwei bis drei Leuten angezogen und/oder hatte das Bedürfnis nach sexueller Interaktion mit ihnen. Bin ich sexuell oder asexuell?

Das musst du entscheiden. Eine mögliche Bezeichnungen für Menschen mit geringem sexuellem Verlangen oder solchen, die Verlangen nur zu wenigen Phasen im Leben erleben, sind auch die Begriffe "Semisexuelle" oder das "Gray-A" Spektrum. Wahrscheinlich spielt Sex eine relativ kleine Rolle in deinem Leben und sexuelle Anziehung bzw. das Verlagen nach sexueller Interaktion haben keine besondere Relevanz für dein Leben.

Mal sexuell, mal asexuell? Geht das?

Meine Sexualität kommt in Phasen. Manchmal bin ich sexuell, dann wieder absolut asexuell. Gibt es für mich einen Platz in der asexuellen Gemeinschaft

Auch diese Empfindungsweise kann ggf. im Bereich "Gray-A" bzw. Semisexualität zu verorten sein obwohl sie selbst für stark sexuelle Menschen nicht untypisch ist (insbesondere wenn diese Phasen an bestimmte Lebensabschnitte gekoppelt sind oder in Abhängigkeit von der Qualität der Beziehung zum Partner auftreten).

Du hast aber trotzdem sicher eine Menge mit Asexuellen gemeinsam. In Zeiten, wo du kein Verlagen hast, kannst du Asexualität gut nachvollziehen und wenn du Verlagen hast, gibt es immer noch "asexuelle Bereiche" in dir wie z.B. die Fähigkeit, sexuellen Partnern diese Empfindungen zu erklären. Daher kannst du einen Platz in der asexuellen Gemeinschaft finden.

Aber ich will dennoch lieber sexuell sein!

Ich möchte wirklich Sex mit anderen haben, die ich liebe, aber beim Sex fühle ich überhaupt nichts und/oder es ist für mich schrecklich. Was ist nur los mit mir?

Wenn du Sex als unangenehm und enttäuschend empfindest, könnte es vielleicht daran liegen, dass du eigentlich gar keinen Sex willst - sondern nur das, was du dir unter Sex vorstellst. Mach dir bewusst, was Sex für dich persönlich bedeutet. Menschen können sich viel vom Sex versprechen:

  • ein tolles Vergnügen
  • dem Partner damit zeigen, wie sehr man ihn/sie liebt
  • die Hoffnung den Partner enger an sich binden zu können und noch intimer mit ihm/ihr werden zu können

Wenn du weißt, was genau du im Sex suchst, kannst du nach anderen Wegen suchen, um es zu erreichen. Das Wichtige daran ist, mit deinem/r Partner/in zu sprechen, herauszufinden, was du möchtest, ihm/ihr zu erzählen, was du fühlst und die gegenseitigen Bedürfnisse zu besprechen.

Irgendwas muss bei mir ziemlich schief gelaufen sein.

Ich bin gestört. Ich glaube, ich kann meine Asexualität auf etwas zurückführen, was mir in meiner Kindheit zugestoßen ist. Vielleicht bin ich deshalb so?

In einer Welt, in der sexuell zu sein als Normalität dargestellt wird, ist es leicht zu verstehen, dass du dich anomal und gestört fühlst. Asexuell zu sein ist aber nicht schlimm, es ist einfach anders.

Wenn man sich für gestört hält, ist es natürlich, dass man einen Grund für eine Fehlfunktion sucht. Als Homosexualität noch als psychische Störung angesehen wurde, hat jeder, sogar Homosexuelle selbst, Theorien aufgestellt, was alles schief gegangen sein könnte, dass sie sich so entwickelt haben. Homosexuelle müssen eine schreckliche Kindheit und Jugend oder schlechte Erfahrungen mit jemandem des anderen Geschlechts gehabt haben. Heutzutage wird Homosexualität einfach als anderer Weg für Menschen gesehen und es ist deshalb sehr selten, von einem Homosexuellen Gründe für seine sexuelle Orientierung zu hören.

Asexualität ist lediglich ein weiterer natürlicher Weg. Du bist nicht gestört. Die Suche nach Ursachen ist völlig natürlich aber glaubst du, dass jeder, der die gleichen Erfahrungen gemacht hätte wie du, sich auch genauso entwickelt hätte?

Ich bin nicht gern asexuell. Ich wäre gern normal, wie jeder andere auch. Was ich kann ich machen?

Es gibt keinen Nachweis für die Möglichkeit, die eigene Sexualität zu ändern. Man kannst vielleicht die Art und Weise ändern, wie man auf Wünsche oder auch den Mangel an Wünschen reagiert, aber man kann an den Wünschen selbst nichts ändern. Auch ist es möglich, dass die persönliche Sexualität sich im Hinblick auf die Orientierung und die Intensität mit der Zeit verschiebt und verändert, aber das hängt nicht vom guten Willen ab und passiert nicht jedem.

Die beste Lösung ist es also, zu lernen, dich wohl zu fühlen mit dem, was du bist und deine Sexualität zu akzeptieren auch wenn du sie dir nicht ausgesucht hast und sie nicht verändern kannst.

Weblinks

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