Coming-Out

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Dieser Artikel beschäftigt sich damit, was unter einem Coming-Out zu verstehen ist. Im Hinblick auf die Frage wozu Asexuelle ein Coming-Out überhaupt brauchen, siehe hier.


Der Begriff Coming-Out leitet sich vom englischen to come out of the closet (aus dem Kleiderschrank herauskommen) ab und wurde erstmals von der homosexuellen Szene verwendet.

Ursprünglich gemeint ist der Verlauf, in dessen sich ein ein schwuler Mann oder eine lesbische Frau persönlich bewusst wird, homosexuell zu sein, bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem diese Erkenntnis dem persönlichen und sozialen Umfeld mitgeteilt wird ("sich outen").

Heute wird der Begriff Coming-Out weitergehender verstanden und auch von Sadomasochisten, Transsexuellen und natürlich auch Asexuellen verwendet.

Warum wird jemand plötzlich homosexuell, asexuell, etc?

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen bereits schon im frühesten Kindesalter unabänderlich festgelegt ist. Bisher sind keine seriösen Fälle bekannt, in denen es gelang die sexuelle Orientierung eines Menschen zu ändern. Selbstverständlich kann ein Mensch aber dennoch gegen seine sexuelle Orientierung handeln: Beispielsweise kann sich ein homosexueller Mann dazu zwingen entgegen seiner Orientierung mit einer Frau Sex zu haben oder ein Asexueller entscheidet sich für Sex obwohl dieses Verhalten seiner Orientierung nicht entspricht. In diesen Fällen ändert sich zwar das Verhalten, nicht aber die sexuelle Orientierung.

Deutlich wird dieser Umstand auch in der Redewendung der Homosexuellen: "Schwul wird man nicht, schwul ist man!". Während des Coming-Outs wird also eine vorhandene homosexuelle Neigung nicht neu entwickelt, sondern nur entdeckt und sich selbst und der Umwelt (offen) eingestanden bzw. verkündet.

Warum müssen Homosexuelle, Asexuelle, etc. ihre sexuelle Orientierung erst entdecken?

Fast alle Menschen in unserer Gesellschaft werden ungeachtet ihrer tatsächlichen sexuellen Orientierung so erzogen und/oder wahrgenommen, als wären sie heterosexuell. Daher kann es sexuellen Minderheiten unter Umständen schwerer fallen ihre Empfindungen als zu ihnen selbst gehörig zu akzeptieren und sich auch in ihrem Verhalten von den Erwartungen abzugrenzen.

Welche Schwierigkeiten haben Homosexuelle, Asexuelle, etc. in unserem Gesellschaftssystem?

Durch normative Erziehung können in Menschen, die nicht der Heteronorm entsprechen, erhebliche Spannungen zwischen den Erwartungen des sozialen Umfeldes und den tatsächlich vorhandenen Gefühlen entstehen.

Stellt euch eine Gruppe Jungs vor die locker beieinander stehen. Plötzlich läuft ein attraktives Mädchen vorbei. Die der Norm entsprechenden Jungs empfinden bei diesem Anblick sexuelle Anziehung, die sie zum Ausdruck bringen, indem sie dem Mädchen beispielsweise nachschauen, hinterherpfeifen oder auch Sprüche äußern von "Schaut euch nur diese Beine an!" bis hin zu "Die würd' ich aber auch mal gerne flachlegen!". Vielleicht bekommen einige Jungs sogar eine Erektion. Wie würde ein homo- oder asexueller Junge sich in dieser Gruppe fühlen? Der homosexuelle Junge kennt vielleicht sexuelle Anziehung, kann dieses Gefühl aber nicht mit dem "Anblick eines Mädchens" verbinden. Der asexuelle Junge kennt gar keine sexuelle Anziehung. Was soll er tun? Sexuelle Anziehung vortäuschen um nicht aufzufallen? Wie soll er später mit sexuellen Witzen im Büro umgehen? Wie soll er sich verhalten, wenn ein Mädchen sexuelles Interesse an ihm bekundet?

Was genau empfunden wird unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Gemeinsam ist den meisten aber ein subjektives Gefühl des Andersseins und des Alleinseins. Neben der Scham anders zu sein kommt bei Asexuellen erschwerend hinzu, dass Asexualität als sexuelle Orientierung bislang noch weitgehend unbekannt ist.

Neben dem emotionalem Chaos, in dem sich Asexuelle befinden können, kommen noch weitere Schwierigkeiten hinzu:

  • Betroffene müssen mit (je nach Region und Kultur unterschiedlich großen) Widerständen rechnen. Besonders bei Homosexuellen werden diese Widerstände oft sehr deutlich (vgl. Homophobie). "Die Schwulen" sind beispielsweise Objekt vieler Witze, Homosexualität wird als Schimpfwort benutzt ("Du Schwuchtel!"), manchmal bekommt man mit, wie Homosexuelle behandelt werden als ob sie eine ansteckende Krankheit hätten oder man wird Zeuge tatsächlicher Gewalt gegen Homosexuelle. Durch solche Umstände wird die Selbstfindung homosexueller junger Menschen sehr erschwert. Asexuelle Menschen müssen zwar nicht mit gleichartig starken Widerständen rechnen, dafür aber häufig mit psychischem Druck: "Du spinnst!", "Das gibt es nicht", "Alle Menschen sind sexuell", "Du kriegst wahrscheinlich nur keine/n ab!", usw. In manchen Fällen schrecken Betroffene daher auch aus Angst vor einer negativen Reaktion vor dem Outing zurück.
  • Betroffene müssen sich von über lange Zeit erlernten Rollenerwartungen ihrer Umwelt lösen. Das erfordert ein erhebliches Maß an Mut und Selbstvertrauen.
  • Die Zeit der Bewußtwerdung "anders zu sein" fällt meistens in die Zeit der Pubertät, eine Zeit also, in der junge Menschen ohnehin schon zahlreiche Schwierigkeiten zu bewältigen haben: Stimmungsschwankungen, Beziehung zu den Eltern, Veränderungen des eigenen Körpers und die sich daraus ergebenden emotionalen Folgen etc.