Boston Marriages

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Der Begriff Boston Marriages (zu deutsch: "Bostoner Ehen") wurde im 19. Jahrhundert für Lebensgemeinschaften zwischen Frauen benutzt, die eine starke romantische Freundschaft verband. Es waren emotional intensive und körperlich zärtliche Freundschaften zwischen Frauen, die das Leben miteinander vorzogen, anstatt zu heiraten.

Heute wird viel darüber diskutiert, ob Bostoner Ehen lesbische Beziehungen waren. Einige waren es bestimmt, aber es gibt auch zahlreiche Hinweise darauf, dass ein großer Prozentsatz von ihnen keine sexuellen Beziehungen waren. Dafür spricht etwa die erstaunliche Tatsache, dass Bostoner Ehen sozial akzeptiert waren - in einer Zeit in der Homosexualität als "widernatürlich" und als "Sünde" angesehen wurde.

Bostoner Ehen waren also höchstwahrscheinlich nicht-sexuelle Frauenbeziehungen - aber vermutlich war es nicht nur tiefe Freundschaft, die diese Frauen miteinander verband, sondern auch die Tatsache, daß das Heiraten eines Mannes zu dieser Zeit zu einer lebenslangen Knechtschaft führte. Es gab zu der Zeit zwar bereits Bemühungen von Frauen (heute würden wir sie "Femministinnen" nennen) die Ehe zu ändern und soziale und rechtsgültige Reformen herbeizuführen - aber bis dahin war die Bostoner Ehe eine gute Möglichkeit der Institution "Ehe" (so wie sie existierte) auf sozial akzeptierte Weise zu entkommen.

So kann die Bostoner Ehe auch als Bedrohung des "Patriarchats" gesehen werden - und tatsächlich begannen die ersten Psychologen der damaligen Zeit die Bostoner Ehe als "widernatürlich" zu beschreiben, als die Femministinnen gerade ihre größten Erfolge feierten, wie z.B. das Wahlrecht für Frauen.

Heutzutage werden lesbische Beziehungen, die nicht-sexuell sind, noch manchmal Boston Marriages genannt - es gibt im englischsprachigen Raum aber auch einen gebräuchlicheren Ausdruck: "Lesbian bed death". Dieser Ausdruck dient zur Beschreibung der vermutlich unvermeidbaren Abnahme von sexueller Leidenschaft in lesbischen Langzeitbeziehungen. Weil er aber auch (fälschlicherweise) auf ein "Versagen" in der Beziehung hindeutet, setzen sich Lesben heute wieder vermehrt für eine Rückkehr des alten Ausdrucks Boston Marriages ein. Das Hauptargument dabei ist, daß die Erwartung "alle ernsthaften Liebesbeziehungen sind gleichzeitig auch sexuell" eine veraltete patriarchalische Vorstellung sei. Im "Gegenangriff" zu dieser Vorstellung behaupten die Lesben, dass fast alle Männer (was auch schwule Männer beinhaltet) verstärkt sexuell fixiert sind - so dass es für Männer wohl unvorstellbar ist, eine Langzeitbeziehung ohne Sex (wie die Bostoner Ehe) zu führen. Diese Behauptung muss aus neutraler Sicht natürlich als ebenso unwahr eingestuft werden wie die Behauptung, dass ernsthafte Liebesbeziehungen ohne Sex nicht existieren würden.

Literatur

  • Boston Marriages: Romantic But Asexual Relationships Among Contemporary Lesbians, Verlag University of Massachusetts Press, ISBN 0870238760
  • The Bostonians, Autor: Henry James, Verlag: Random House USA Inc, ISBN 0812969960