Asexualität: Unterschied zwischen den Versionen

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Im Hinblick auf die Geschlechtsverteilung ergibt sich auf AVENde ein Verhältnis von ca. 2/3 Frauen zu 1/3 Männern. Asexualität könnte also bei Frauen häufiger verbreitet sein als bei Männern. Möglicherweise besteht eine Verbindung mit dem Sexualhormon Testosteron bzw. der im Mittel niedrigeren [[Libido]] bei Frauen. Es sind aber auch soziokulturelle Faktoren für eine lediglich geringere Selbstidentifikation als asexuell bei Männern vorstellbar.
 
Im Hinblick auf die Geschlechtsverteilung ergibt sich auf AVENde ein Verhältnis von ca. 2/3 Frauen zu 1/3 Männern. Asexualität könnte also bei Frauen häufiger verbreitet sein als bei Männern. Möglicherweise besteht eine Verbindung mit dem Sexualhormon Testosteron bzw. der im Mittel niedrigeren [[Libido]] bei Frauen. Es sind aber auch soziokulturelle Faktoren für eine lediglich geringere Selbstidentifikation als asexuell bei Männern vorstellbar.
  
Asexuelle haben kein Verlangen danach mit anderen Menschen sexuell aktiv zu werden, wobei die Grenzen zwischen Zärtlichkeiten und [[Sex]] jedoch stark von der individuellen Perspektive abhängen. Dennoch sind viele Asexuelle daran interessiert, romantische (nicht-sexuelle) [[Beziehung]]en einzugehen. Asexualität resultiert weder aus der Unfähigkeit, einen Partner zu finden noch aus der Angst vor [[Intimität]] oder dem Verdrängen von sexuellen Wünschen. Im Gegensatz zu [[Zölibat|zölibatär]] oder [[Sexuelle Abstinenz|abstinent]] lebenden Menschen ist das fehlende Verlangen nach sexueller Interaktion bei Asexuellen keine rationale Entscheidung und wurde auch nicht durch (negative) Erfahrungen im Leben "erworben", sondern es handelt sich dabei um ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Asexualität kann daher auch als eine sexuelle Orientierung verstanden werden und existiert prinzipiell unabhängig vom individuellen Sexualverhalten.  
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Asexuelle haben kein Verlangen danach mit anderen Menschen sexuell aktiv zu werden, wobei die Grenzen zwischen Zärtlichkeiten und [[Sex]] jedoch stark von der individuellen Perspektive abhängen. Dennoch sind viele Asexuelle daran interessiert, romantische (nicht-sexuelle) [[Beziehung]]en einzugehen. Asexualität resultiert weder aus der Unfähigkeit, einen Partner zu finden noch aus der Angst vor Intimität oder dem Verdrängen von sexuellen Wünschen. Im Gegensatz zu [[Zölibat|zölibatär]] oder [[Sexuelle Abstinenz|abstinent]] lebenden Menschen ist das fehlende Verlangen nach sexueller Interaktion bei Asexuellen keine rationale Entscheidung und wurde auch nicht durch (negative) Erfahrungen im Leben "erworben", sondern es handelt sich dabei um ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Asexualität kann daher auch als eine sexuelle Orientierung verstanden werden und existiert prinzipiell unabhängig vom individuellen Sexualverhalten.  
  
Die Vorsilbe "a-" in asexuell bezieht sich nicht (wie irrtümlich oft angenommen) auf die [[Sexualität]], sondern (wie auch die Vorsilben "hetero-" , "homo-" und "bi-") auf das [[Geschlecht]], von dem sich die jeweilige Person sexuell angezogen fühlt. Im Falle von Asexualität eben "keins". Eine asexuelle Person hat kein Verlangen nach sexueller Interaktion – aber selbstverständlich haben auch die meisten Asexuellen eine Sexualität und viele kennen Intimität und den Wunsch nach [[Nähe]] und [[Liebe]]. Nur drückt ein asexueller Mensch Intimität im allgemeinen nicht über Sex aus.
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Die Vorsilbe "a-" in asexuell bezieht sich nicht (wie irrtümlich oft angenommen) auf die [[Sexualität]], sondern (wie auch die Vorsilben "hetero-" , "homo-" und "bi-") auf das [[Geschlecht]], von dem sich die jeweilige Person sexuell angezogen fühlt. Im Falle von Asexualität eben "keins". Eine asexuelle Person hat kein Verlangen nach sexueller Interaktion – aber selbstverständlich haben auch die meisten Asexuellen eine Sexualität und viele kennen Intimität und den Wunsch nach Nähe und [[Liebe]]. Nur drückt ein asexueller Mensch Intimität im allgemeinen nicht über Sex aus.
  
Asexuelle wollen dennoch nicht als eine Art "Gegenbewegung" zu einer übersexualisierten Gesellschaft verstanden werden und distanzieren sich deutlich vom Bereich der [[antisexuell|Antisexualität]]. Im Gegensatz zu antisexuell eingestellten Menschen begrüßen es die meisten Asexuellen, wenn Menschen ihre Sexualität mit ihren Partnern einvernehmlichen ausleben – wenn nötig auch gegen familiäre und gesellschaftliche Erwartungen. Dazu gehört aber natürlich auch das Ausleben von Asexualität in ihrer ganzen Vielfalt. Manche Asexuelle mögen gar keine Berührungen. Andere genießen körperliche und emotionale Zärtlichkeiten sehr. Manche [[Masturbation|masturbieren]], ohne dabei einen anderen Menschen einbeziehen zu wollen. Einige haben ihrem Partner oder der Kindererzeugung zuliebe Sex. Viele Asexuelle sind also durchaus fähig, [[sexuelle Erregung]] zu empfinden, fühlen sich aber von anderen nicht sexuell angezogen. Sex ist sicherlich eine weit verbreitete Art Nähe und Liebe zu zeigen – aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit.
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Asexuelle wollen auch nicht als eine Art "Gegenbewegung" zu einer übersexualisierten Gesellschaft verstanden werden und distanzieren sich deutlich vom Bereich der [[antisexuell|Antisexualität]]. Im Gegensatz zu antisexuell eingestellten Menschen begrüßen es die meisten Asexuellen, wenn Menschen ihre Sexualität mit ihren Partnern einvernehmlichen ausleben – wenn nötig auch gegen familiäre und gesellschaftliche Erwartungen. Dazu gehört aber natürlich auch das Ausleben von Asexualität in ihrer ganzen Vielfalt. Manche Asexuelle mögen gar keine Berührungen. Andere genießen körperliche und emotionale Zärtlichkeiten sehr. Manche [[Masturbation|masturbieren]], ohne dabei einen anderen Menschen einbeziehen zu wollen. Einige haben ihrem Partner oder der Kindererzeugung zuliebe Sex. Viele Asexuelle sind also durchaus fähig, [[sexuelle Erregung]] zu empfinden, fühlen sich aber von anderen nicht sexuell angezogen. Sex ist sicherlich eine weit verbreitete Art Nähe und Liebe zu zeigen – aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit.
  
 
== Siehe auch ==
 
== Siehe auch ==

Version vom 8. Dezember 2019, 09:53 Uhr

Asexualität bezeichnet die dauerhafte sowie (wahrscheinlich) angeborene und nicht durch äußere Umstände oder Krankheiten ausgelöste Abwesenheit eines Verlangens nach sexueller Interaktion (AVENde Definition) bzw. das Fehlen des Empfindens von sexueller Anziehung (AVENus Definition). Im Gegensatz zu Menschen mit einer Sexualstörung, insbesondere der sexuellen Appetenzstörung, empfinden Asexuelle keinen intrinsischen bzw. primären Leidensdruck durch diesen Umstand.

Im Hinblick auf die Geschlechtsverteilung ergibt sich auf AVENde ein Verhältnis von ca. 2/3 Frauen zu 1/3 Männern. Asexualität könnte also bei Frauen häufiger verbreitet sein als bei Männern. Möglicherweise besteht eine Verbindung mit dem Sexualhormon Testosteron bzw. der im Mittel niedrigeren Libido bei Frauen. Es sind aber auch soziokulturelle Faktoren für eine lediglich geringere Selbstidentifikation als asexuell bei Männern vorstellbar.

Asexuelle haben kein Verlangen danach mit anderen Menschen sexuell aktiv zu werden, wobei die Grenzen zwischen Zärtlichkeiten und Sex jedoch stark von der individuellen Perspektive abhängen. Dennoch sind viele Asexuelle daran interessiert, romantische (nicht-sexuelle) Beziehungen einzugehen. Asexualität resultiert weder aus der Unfähigkeit, einen Partner zu finden noch aus der Angst vor Intimität oder dem Verdrängen von sexuellen Wünschen. Im Gegensatz zu zölibatär oder abstinent lebenden Menschen ist das fehlende Verlangen nach sexueller Interaktion bei Asexuellen keine rationale Entscheidung und wurde auch nicht durch (negative) Erfahrungen im Leben "erworben", sondern es handelt sich dabei um ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal. Asexualität kann daher auch als eine sexuelle Orientierung verstanden werden und existiert prinzipiell unabhängig vom individuellen Sexualverhalten.

Die Vorsilbe "a-" in asexuell bezieht sich nicht (wie irrtümlich oft angenommen) auf die Sexualität, sondern (wie auch die Vorsilben "hetero-" , "homo-" und "bi-") auf das Geschlecht, von dem sich die jeweilige Person sexuell angezogen fühlt. Im Falle von Asexualität eben "keins". Eine asexuelle Person hat kein Verlangen nach sexueller Interaktion – aber selbstverständlich haben auch die meisten Asexuellen eine Sexualität und viele kennen Intimität und den Wunsch nach Nähe und Liebe. Nur drückt ein asexueller Mensch Intimität im allgemeinen nicht über Sex aus.

Asexuelle wollen auch nicht als eine Art "Gegenbewegung" zu einer übersexualisierten Gesellschaft verstanden werden und distanzieren sich deutlich vom Bereich der Antisexualität. Im Gegensatz zu antisexuell eingestellten Menschen begrüßen es die meisten Asexuellen, wenn Menschen ihre Sexualität mit ihren Partnern einvernehmlichen ausleben – wenn nötig auch gegen familiäre und gesellschaftliche Erwartungen. Dazu gehört aber natürlich auch das Ausleben von Asexualität in ihrer ganzen Vielfalt. Manche Asexuelle mögen gar keine Berührungen. Andere genießen körperliche und emotionale Zärtlichkeiten sehr. Manche masturbieren, ohne dabei einen anderen Menschen einbeziehen zu wollen. Einige haben ihrem Partner oder der Kindererzeugung zuliebe Sex. Viele Asexuelle sind also durchaus fähig, sexuelle Erregung zu empfinden, fühlen sich aber von anderen nicht sexuell angezogen. Sex ist sicherlich eine weit verbreitete Art Nähe und Liebe zu zeigen – aber bei weitem nicht die einzige Möglichkeit.

Siehe auch

Weiterführende Informationen

Siehe unsere FAQ zum Thema Asexualität.